PAUL LEITNER

Paul Leitners Arbeiten nehmen oft Formen von alltäglichen Arrangements oder Apparaturen an, die für gewöhnlich unter ganz einfachen Mechanismen und physikalischen Gesetzen funktionieren. Wenn er sie allerdings auch nur marginal anpasst oder verändert, erschaffen sie unerwartete, symbolträchtige, poetische, ja sogar kritische Effekte. So werden etwa Werkzeuge oder Instrumente, Uhren, Thermometer, Nüsse oder Gleisanlagen zu Ansatzpunkten historischer Verschiebungen, wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Prozesse – die Verbesserungen, aber auch Standardisierung, Kontrolle und Normalisierung hervorrufen. Eine Norm, aus dem lateinischen norma, also „Quadrat“ oder „Regel“, bezeichnet eine weit verbreitete Bedingung und gilt als Regel zu befolgen. Leitner arbeitet sowohl mit als auch gegen Normen – seien sie metrische, zeitliche, materielle, technische oder ästhetische Normen – mit einer offensichtlichen Ökonomie der Mittel. Die verwendeten Materialien sind oft „unbedeutend“: gefunden, getauscht oder billig gekauft. Formen ergeben sich hauptsächlich aus Funktionen. Prozesse werden vor allem ihrer Entropie überlassen – oder die Entropie eines bereits bestehenden Systems wird hervorgehoben.

the traveler (2012), zum Beispiel, besteht aus einer Reihe kinetischer Skulpturen, in denen ein Windkanal – eine DIY-Adaption von Baubranchen- und Industrietechniken – in der Luft freigesetztes Saatgut beinhaltet und damit den Reproduktionszyklus aussetzt. Pionierpflanzenarten werden angedacht, die in der Lage sind, neue Kontinente zu kolonisieren und die Verbreitung durch den Wind wird in der Arbeit durch jene eines perpetuum mobiles ersetzt. Der Samen wird in ein steriles Versuchsobjekt verwandelt. Das gesamte System lenkt die Aufmerksamkeit auf ein kurzlebiges und fast unsichtbares Phänomen und macht es geheimnisvoll und poetisch und so auch die Idee eines permanenten Nomadismus.

Text: Anne Faucheret

 

 

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geboren 1983 in Wien

Ausstellungen (Auswahl):

2016
Paul Leitner, unttld contemporary, Wien (solo) (A)
BEFORE#####AFTER #DIGITAL#ART#AND#CYBERSPACE, Kunstraum Super, Wien (A)

2015
Destination Wien, Kunsthalle Wien, Wien (A)
Rejection, unttld contemporary, Wien (A)

2013
Leitner | Leitner “paper-jack”, “four at six” Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, Neumarkt an der Raab (A)

2012
naked fire “the traveler”, Neue Galerie, Innsbruck (A)
generation 21 “the traveler”, Landesgalerie Burgenland, Eisenstadt (A)
Lafin c’estmerde “the traveler”, Lafin C’estmerde, Wien (A)

2011
blossoms of a multitude “paper jack”, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz (A)
next generation “DO = 05 54E2″, Künstlerdorf Neumarkt an der Raab, Neumarkt an der Raab (A)
Franzi’s choice “1und1″, Museum of Too Modern Art, Litija (SLO)

2010
other dimensions “paper jack”,  Schikaneder,  Wien (A)

2009                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Alias in Wonderland “l-p-r-n-t-s-c-r-n”, MQ quartier 21, Freiraum, Wien (A)