Paul Leitner | white paper museum #8

Das WHITE PAPER MUSEUM ist ein Künstler und Künstlerinnen basiertes Ausstellungsformat zur Veröffentlichung, Ideenaustausch und Erschließung der Künste.

Einfache weiße Kartonschachteln mit einer genormten Bodenfläche A3 definieren jeweils einen (Modell)-Raum. Die Bedingungen des Raums können die jeweils eingeladenen Künstler und Künstlerinnen bestimmen. Das Innere, sowie das Äußere können bespielt werden. Schlussendlich muss der Karton nur schließbar und per Post sendbar sein.

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Caroline: Die Frage nach dem Prozess als Werk ist zentraler Fokus einiger Künstlerinnen und Künstler der Moderne. Du arbeitest mit „armen“ Materialien!? A4 Kopierpapier 80g und Schraubzwingen, die in jedem Baumarkt erhältlich sind. Inwieweit ist der Prozess Thema Deiner Arbeiten?

Paul: Ich brauche meistens sehr lange um mit einer Idee an einen Punkt zu kommen, an dem ich bereit bin mit einer materiellen Umsetzung  zu beginnen. Bei diesem Entstehungsprozess habe ich meist schon eine sehr klare Vorstellung mit welchen Materialien ich die Arbeit umsetzen will. Nachdem ich mit der Arbeit begonnen habe ändern sich Formen, Ideen, Konzepte meist noch einige Male. Die Herausforderung besteht darin, im richtigen Moment aufzuhören. Man könnte also sagen dass der Prozess eine grosse Rolle in meinem Werk spielt. Oft versuche ich entweder auf industriell vorgefertigte Teile zu verzichten, oder die ganze Arbeit daraus zu formen, womit ich diese ästhetische Vorgabe der Industrie wieder zu hinterfragen versuche. Diese Auseinandersetzung mit Normen findet man auch in der Arbeit für das White Paper Museum. Da in einer industriellen Anwendung Teile miteinander kombinierbar sein sollten werden diese durch Normen standardisiert. An sich nichts Schlechtes, jedoch leidet dann auch die Diversität.

C: Normierungen haben Vor- und Nachteile. Sie schränken ein, was manchmal ein Nachteil sein kann. Der Vorteil, sie erlauben uns zu vergleichen und über weite Strecken zu kommunizieren. Allerdings ist ein Meter nicht gleich ein Meter. Das weiß jeder, der mal zwei Metermaße verwendet hat. Für die White Paper Museum – Schachtel habe ich eine genormte Deckelgröße von A3 beschlossen, um sie auch leichter verschicken zu können. Das Innenmaß ist dadurch bedingt kleiner. Dazu kommt, dass durch die manuelle Umsetzung der Kartonschachteln die Maße durch den Faktor Mensch alles andere als gleich und genau geworden sind. Entschuldige die Probleme, die Dir diese Ungenauigkeit bereitet hat. Die weiße Schachtel sollte als ein Skelett, als eine Rahmenbedingung funktionieren. Du hast sie gleich als Material verarbeitet?!

P: Der Faktor Mensch hat in diesem Fall die ganze Arbeit massgeblich beeinflusst. Dadurch dass die Schachtel eben nicht exakt A3 misst, konnte ich erst die Arbeit herausarbeiten die es letztendlich geworden ist. Der Inhalt der vorgegeben Box, die sich bereits jeglicher Norm entzieht, ist mit einem DIN A4, und einem exakt den Rest der Box füllenden ungenormten Blatt gefüllt. Nur subtil sichtbar und doch irritierend, da gerade ein A4 Blatt in seinen Dimensionen für uns leicht erfassbar ist. Die Schraubzwingen verstärken den Eindruck der Karton sei “vollgestopft”, und formen an der Oberseite eine wellenähnliche Struktur, die wiederum dem festen konkreten Block des Papiers auflöst. Wie relativ diese Normen sind wird in dem kleinen “Guckloch” an der Seite der Skulptur sichtbar. Ich habe bewusst bei 7 verschiedenen Herstellern genormtes DIN A4 mit 80g bestellt. Es ist überraschend wie sehr die Farbtöne in dieser Norm abweichen dürfen. Für unser Auge sind diese unterschiede jedoch fast nur an den Schnittkanten wahrnehmbar. Beim Durchmischen dieser “unterschiedlichen” Bögen entsteht diese marmorartige Struktur, die für mich eine Referenz auf dieses sehr kompakte Material ist. Aus dem sehr leichten und fragilen Werkstoff Papier entsteht ohne großen Einfluss eine sehr kompakte feste Struktur.

C: Eine kompakte Struktur mit enormen Gewicht. Danke Paul, für Dein White Paper