Ausstellungseröffnung | The Me in Me | curated by_Krist Gruijthhuijsen

Eröffnung: 8. September 2016, 18:00–21:00

Dauer der Ausstellung: 9. September bis 15. Oktober 2016

In den frühen 1970er Jahren gab der in Island geborene Künstler Hreinn Fridfinnsson eine Annonce in einem niederländischen Kunstmagazin auf, in der er um die Zusendung von Geheimnissen bat. Ein Künstler, der Geheimnisse sammelt, dachte er, könne jeglichen Verdacht zerstreuen, Hintergedanken für die Verwendung oder Enthüllung von vertraulichen Informationen zu haben, wenn ihm diese zukämen. Es klingt wie eine Passage aus einem Roman von José Saramago oder wie ein moderner Mythos, ein Gerücht. Das Geheimnis, vermittelt uns Fridfinnsson möglicherweise, liegt darin, dass es keines gibt. Seine Kunst lädt andererseits dazu ein, sich vorzustellen, dass es doch ein Geheimnis geben könnte.

Vierzig Jahre später beendet Fridfinnsson sein „Secrets Project“, zerstört die zusammengetragenen Geheimnisse, die ihm als Grundlage für ein Gemälde dienen. Das Gemälde, beziehungsweise das Malereiobjekt, bildet den Ausgangspunkt dieses Projekts, das in einem materiellen Sinn das verwundbare Verständnis des Selbst durch (de)mystifizierende Ideen von Repräsentation untersucht; ob nun durch Jason Dodge, der die Inhalte von Taschen aufbereitet, Ben Kinmont, der einen einzelnen Besucher darum bittet, an irgendetwas anderes zu denken als an Kunst während er einen Ballon aufbläst, der anschließend in der Galerie zurückgelassen wird, Hanne Lippards Auseinandersetzung mit dem Buchstaben „S“ in „success“ [Erfolg], Barbara Vissers schonungslose Darstellung der Beziehung zwischen Künstler und Kommerz oder Tamy Ben-Tors Porträt der Banalität des Kunstjargons.

KünstlerInnen: Tamy Ben-Tor, Jason Dodge, Hreinn Fridfinnsson, Ben Kinmont, Hanne Lippard, Barbara Visser.

Krist Gruijthuijsen ist Leiter der Kunst-Werke Berlin.

curated by_vienna: Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht