Paul Leitner | Antisolubility of Difference

Antisolubility of Difference
Paul Leitner

03.05. – 19.06.2019

Paul Leitners Arbeiten nehmen oft Formen von alltäglichen Arrangements oder Apparaturen an, die für gewöhnlich unter ganz einfachen Mechanismen und physikalischen Gesetzen funktionieren. Wenn er sie allerdings auch nur marginal anpasst oder verändert, erschaffen sie unerwartete, symbolträchtige, poetische, ja sogar kritische Effekte. So werden etwa Werkzeuge oder Instrumente, Uhren, Thermometer, Nüsse oder Gleisanlagen zu Ansatzpunkten historischer Verschiebungen, wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Prozesse – die Verbesserungen, aber auch Standardisierung, Kontrolle und Normalisierung hervorrufen. Eine Norm, aus dem lateinischen norma, also „Quadrat“ oder „Regel“, bezeichnet eine weit verbreitete Bedingung und gilt als Regel zu befolgen. Leitner arbeitet sowohl mit als auch gegen Normen – seien sie metrische, zeitliche, materielle, technische oder ästhetische Normen – mit einer offensichtlichen Ökonomie der Mittel. Die verwendeten Materialien sind oft „unbedeutend“: gefunden, getauscht oder billig gekauft. Formen ergeben sich hauptsächlich aus Funktionen. Prozesse werden vor allem ihrer Entropie überlassen – oder die Entropie eines bereits bestehenden Systems wird hervorgehoben.

Text: Anne Faucheret, 2017