Nikki Luna | Rape of Seas

Nikki Luna | Rape of Seas

„Nikki Luna, bekannt für ihren konfrontativen Zugang zur Kunst, beschäftigt sich in „Rape of Seas“ weiter mit der tief verankerten Misogynie des Duterte Regimes. Der populistische Präsident äusserte seit seiner Amtsübernahme immer wieder beleidigende und sexistische Bemerkungen und die Heimtücke seines Regimes hat nicht nur das Gaslighting einer ganzen Nation zur Folge, sondern seine von leeren Versprechungen geprägte Politik fördert auch die Missachtung von Menschen- und souveränen Rechten.

Seit mehreren Jahren nimmt die Volksrepublik China Inseln im West-Philippinischen Meer – ein Teil des Südchinesischen Meeres – in Besitz und dringt ebenfalls in philippinische Gewässer vor, um dort illegal zu fischen und Wilderei an vom Aussterben bedrohten Meerestieren zu betreiben. Im Jahr 2016 errangen die Philippinen einen entscheidenden Sieg als der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag die Ansprüche Chinas auf das Südchinesische Meer entlang der sog. Neun-Strich-Linie für ungültig erklärte. Dennoch setzen sich chinesische Autoritäten über dieses Urteil hinweg: Illegaler Fischfang durch chinesische Fischerkutter, sowie der Einsatz von grossen Schiffen, die lebensnotwendige Riffe ausbaggern um künstliche Inseln für chinesisches Militär zu errichten, finden weiterhin auf philippinischen Gewässern statt.

Präsident Duterte hat dies ohne das Einverständnis der philippinischen Bevölkerung und trotz seines Wahlkampfversprechens auf den Spratly-Inseln eine Landesflagge zu hissen zugelassen. Er ermöglicht dadurch nicht nur die Schändung philippinischer Gewässer, sondern auch Umweltzerstörung und die Verfolgung eines Volkes, seiner Nation, indem er sie als machtloses Opfer darstellt und sie für ihre eigene Unfähigkeit verantwortlich macht – und sie auffordert dies hinzunehmen. Aber sie lässt sich nicht zum Schweigen bringen. Durch Mittel der Kunst, der Strasse und der Diplomatie wird zum Protest aufgerufen: Dieses Meer ist unser Meer.

In ihrer aktuellen Ausstellung „Rape of Seas“ verwendet Luna Symbole des Streits im West-Philippinischen Meer, um die Parallelen zwischen Dutertes Gewalt gegen Frauen und seiner Duldung von Chinas illegalem Einfall in die philippinische ausschliessliche Wirtschaftszone(AWZ)hervorzuheben: Venusmuscheln, auf die Größe einer Vagina verkleinert, ähneln vernarbten Hymen und spiegeln die Narben der Riffe wieder; zugeschnittene Goldstücke in Form der Panacot Shoal und der Kalayaan Inselriffe, wie sie 1748 in Wien auf einer historischen Landkarte* dargestellt wurden, erinnern an deren ursprüngliche Form, Jahrhunderte bevor die Riffe beschlagnahmt und unwiderruflich in Militäreinrichtungen verwandelt wurden.
Diese Goldsplitter mit Gravierungen von Kommentaren, von Frauen deren Einverständnis nie eingeholt wurde, funktionieren gleichzeitig als Form des Protestes gegen Duterte und sein Regime. Weiters sind zwei weisse Flaggen mit den Worten des Präsidenten bestickt, womit er seinen Kuschelkurs mit China (Flagge 1) und auch seinen Drogenkrieg, der schon Zehntausenden Menschen das Leben kostete (Flagge 2), öffentlich rechtfertigt.
Das eingerahmte Kleid – das abschließende Stück der Ausstellung – ist aus den Stoffen einer Fischersfrau aus Scarborough gefertigt und mit einem Fischernetz vernäht. Es bringt das Narrativ der Ausstellung zurück zu den Filipinos, deren Lebensunterhalt sowohl kurzfristig – durch die fehlenden Fischfanggebiete – als auch langfristig – durch den Raub der Wiege des Meereslebens an zukünftigen Generationen – beeinträchtigt wird.
Das West-Philippinische Meer ist der Ort, an dem Leben beginnt: seine Gewässer nähren Korallen, die wiederum Fische ernähren, die wiederum eine ganze Nation versorgen.
Luna möchte daran erinnern, dass das Ermöglichen dieser massiven Ausbeutung ein weiteres Manifest des Patriarchats ist. Die vulgären Worte des Präsidenten – seien sie zum Teil auch scherzhaft gemeint – vergiften die Gewässer, die er behauptet zu regieren.“ – A.C. (Der/die Autor/in möchte unbekannt bleiben.)

Für weitere Informationen klicken Sie auf den Link, um mehr über die philippinischen Hoheitsrechte und die Gerichtsbarkeit im Westlichen Philippinischen Meer zu erfahren. (von Antonio T. Carpio) https://www.imoa.ph/

Nikki Luna (geb.1977) studierte Bildende Kunst und Frauen- und Entwicklungsforschung an der University of the Philippines. 2018 erhielt sie den prestigeträchtigen Chevening Award, um einen Master in Kunst und Erziehung an der Goldsmiths, University London (UK) zu machen. Im selben Jahr schrieb sie das Buch I Love my Body, um das Körperbewusstsein von Mädchen zu erhöhen. Sie ist Gründerin des unabhängigen feministischen Verlags Power In Her Story, der Bücher über die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter mit Schwerpunkt auf den Bedürfnissen marginalisierter Gruppen von Mädchen und Frauen herausgibt. Im Jahr 2016 erhielt sie ein Stipendium des Asiatischen Kulturrats. Ihre Arbeiten waren bereits bei der Aichi Triennale, Singapur Biennale und Peking Biennale zu sehen. 



„Ich glaube, dass Kunst etwas ist, das man teilen kann, das nährt deine Seele.“ (Nikki Luna)

*Valdés & Kaliwoda, 1748, VInsulæ Philippinæ Ex Autographo, Manilæ, veröffentlicht in Wien, basierend auf der Murillo Velarde Karte von 1734, die die „Scarboro“-Insel als Teil der Philippinen zeigt. Die Karte zeigt auch „Los Bajos de Paragua“ (Spratlys) als Teil der Philippinen.