Josef Bauer | selected works

Josef BAUER | selected works
curated by Krist Gruijthuijsen

Josef Bauers Praxis (geb. 1934, Wels, Österreich) ist irgendwo zwischen Konkreter Poesie, Performance und Malerei angesiedelt; in ihr erkundet der Künstler die physische Beziehung zu linguistischer Produktion und deren Ausstellung. Anders als die Dichter der Konkreten Poesie seiner Generation erforscht Bauer jedoch die greifbare Landschaft und die Räume, in denen Sprache und ihre Darstellung in Beziehung zum Körper miteinander verbunden werden. Diese häufig skulpturalen Interventionen und Installationen ähneln rebusartigen Strukturen, in denen Begriffe wie „Größenordnung“ und „Spur“ wichtige Rollen spielen. Sein Interesse an der Problematik der Beziehung des menschlichen Körpers und seiner Interaktion mit dem bildhauerischen Objekt war auch Gegenstand genauerer Untersuchungen einiger seiner Kollegen wie Franz West. Bauer allerdings brachte die Semiotik ins Spiel, um das linguistische Potenzial dieser Objekte hervorzuheben. Sein unmittelbares Setting wurde für ihn zum Werkzeug, um die Welt um ihn herum zu verstehen und sich mit dieser in Beziehung zu setzen. Diesem physischen Verständnis gab er den Titel „Taktile Poesie“, was ganz wörtlich auch „Poesie-zum-Berühren“ oder „berührte Poesie“ meint. Mitte der 1960er-Jahre ließ er vom „Papier“ ab und drückte fortan sein Interesse an Sprache visuell in dreidimensionalen, setartigen Installationen aus, die malerische und performative Landschaften einbinden. Diese Szenerien und Handlungen umfassen häufig auch Buchstaben als Skulpturen, um das Ausmaß zu unterstreichen, in welchem sich Themen zu Objekten transformieren. Seine „Buchstaben“, zum Beispiel, bestehen aus Metallstangen, an denen jeweils Buchstaben befestigt sind. Sie ähneln vergrößerten Lesezeichen, erinnern uns aber auch an Requisiten, die häufig bei Demonstrationen zum Einsatz kommen. Die Bilder, die den Kampf der KünstlerInnen zeigen, wie sie die Strukturen in die Höhe halten, um Worte zu bilden, sind ein perfektes Beispiel für seinen Versuch, mit seiner Umgebung physisch zu kommunizieren. Bauers Arbeit ist konkreter als die eines jeden anderen Dichters Konkreter Poesie, während sie gleichzeitig die mögliche Autonomie ihrer Formen berücksichtigt und so eine gewisse suggestive Kryptografie ins Leben ruft. Die Wahrnehmung und das Begreifen von Farbe faszinierten den Künstler zunehmend, um auf diesem Weg seinen Erkundungen zwischen Sprache und Kontext mehr Gewicht zu verleihen. Fast legasthenisch bilden die Worte und Farben keine Einheit, sondern rufen zur Wahrnehmung des Objekts an sich auf – Farbe als Sprache oder umgekehrt. Die „Träger“ dieser Worte und Farben sind genauso wichtig, denn sie beinhalten das Wesen der konkreten Realität. Die einzigartige und bahnbrechende Position von Josef Bauers Werk zeichnet sich – in einer Welt des Massenkonsums und schneller Kommunikation – durch ernsthafte Empfindsamkeit aus. Krist Gruijthuijsen