Clemens Hollerer | THE BIRTH AND DEATH OF THE DAY

Clemens Hollerer
THE BIRTH AND DEATH OF THE DAY
Eröffnung: 13.09.2018, 06.00 pm
Ausstellungsdauer: 14.09.- 13.10.2018

Brüche, Kratzer, Splitter und Spuren. Zusammengeflickte Objekte, fragil in ein Gleichgewicht gebracht und nicht selten nur behelfsmäßig verbunden. Skulpturen, die den Raum rhythmisch takten, um ihn gleichzeitig zusammenzuhalten und aufzulösen, zu durchdringen und in fragile Stabilität zu bringen. Clemens Hollerers Arbeiten widmen sich der Anziehungskraft der Zerstörung. Grundsätzlich an der Frage des Raumes und seiner Veränderung interessiert, beschäftigt er sich mit der vom permanenten Bauen gekennzeichneten Umgebung: der Stadt, aber auch der von Menschen domestizierten Landschaft. Der fotografische Blick, der grundsätzlich das Fokussieren thematisiert, bildet den Anfang seiner Werke und seiner künstlerischen Entwicklung. Seine Arbeiten funktionieren immer als leichtfüßige „Kommentare“, die in Form von räumlichen Eingriffen und Umformulierungen den Raum nicht nur körperlich erfahrbar machen, sondern ihn auf seine sinnliche und formale Präsenz beleuchten.

Auch in seinen neueren Arbeiten, in denen er widerständigste Kunstharzlacke von Aluminiumplatten kratzt oder Collagen und Montagen aus Folien, bzw. aus pulverbeschichteten Aluminiumprofilen Maschinenarme in unterschiedlichen Haltungen zeigt, widmet er sich konsequent dem (oft urbanen) „Happening“ der Zerstörung. Hollerers Absicht, ein „Bild des Rohen“ zu schaffen und dabei „die Schönheit des Unfertigen“ herauszuschälen, gründet sich in diesen jüngsten Arbeiten auf der Beobachtung der Ähnlichkeit und der Faszination von industrieller und natürlicher Zerstörungskraft. Hollerers aus Klebefolie zusammengestellte „Maschinen-Collagen“ werden anhand von fotografierten Beobachtungen angefertigt. Die mit der Kamera eingefangenen Maschinenbewegungen von mächtigen Baggerarmen werden in der aus dem Schwarz des Untergrunds herausstrahlenden, glänzenden Serie an der Galeriewand zu eigensinnig performativen Kompositionen. Geradezu brachial arbeitet er sich in seinem Schaffen an den mächtigen Heroen der Minimal Art und hier auch der Land-Art ab. Hollerers Vorgehen ist ein durchaus bewusster Umgang mit der Geschichte und weist immer wieder befreiende Merkmale von Post-Hardcore (Musik) auf; im Grundprinzip widerständig, gilt es „trotz“ einer Bürde der Kunstgeschichte darin das Kontinuum des Schaffens durch Überarbeiten und Zerstören zu erkennen. Wie so häufig, ist auch The birth and death of the day von Hollerers Faible für rebellische Musik inspiriert und einem Lied der Band Explosions in the Sky entlehnt. Als Titel einer Arbeit, die am Anfang von Hollerers Bearbeitung des Themas Maschine steht, werden in ihm Geburt und Tod in einem Tag zusammengefasst und in der gewaltigen Schaffens- und Zerstörungskraft der Baumaschinen gespiegelt. Wie Geburt und Tod gleichzeitig das quasi erotische Versprechen des Neuen und die Feststellung des Abschieds in sich tragen, legt Hollerer seinen Finger auf den aufregenden Umstand einer Existenz des immerfort Metamorphen.

Text: Katrin Bucher Trantow, Chefkuratorin Kunsthaus Graz