Bastian Muhr | Form Cowboy

FORMALEREI

Bastian Muhrs „Form Cowboy“ bei unttld contemporary, Wien
Beschrieben von Franz Hempel

Anfangs ein informeller Dreisatz: Muhr verfolgt einen formalen Ansatz. Er beschäftigt sich mit dem Form Malen. Seine künstlerische Praxis lässt sich als Formalerei zusammenfassen.

Bastian Muhr arbeitet dabei grundlegend systematisch. Bildhaftes Zeugnis dafür ist eine Reihe unbetitelter Blätter unter der Werkgruppenbezeichnung „System Drawings“ (2013-2016), die in Hinblick auf das Oeuvre des Künstlers im Verlauf seines Schaffensprozesses systematisch erweitert wurden. Im Kontext der Ausstellung „Form Cowboy“ werden drei ältere Werkkomplexe mit exemplarischen Arbeiten vorgestellt: „Punktearbeiten“ (seit 2011), „Schwarze Zeichnungen“ (2017-2018) und „Bunte Zeichnungen“ (2017). Dazu stehen neue Arbeiten, sowohl auf Papier als auch Leinwand, zur Schau, für die sich eine solche Kategorisierung bis dato nicht festgeschrieben hat. Die Sammeltitel der jeweils unbetitelten Einzelwerke dienen der Zuschreibung und Identifikation jener Arbeiten deren Titel allesamt „ohne Titel“ ist. Hier lässt sich nebenbei, auf verkürzte Weise, Werk und Ausstellungsort zusammen denken: unttld.

Eine mögliche Perspektive auf Muhrs Schaffen ist es seine Arbeiten als Ausdruck von Handschrift zu lesen. Im Standardnachschlagewerk der deutschen Sprache wird diese in zweiter Bedeutung wie folgt bestimmt:

„Handschrift = 2. charakteristisches Gepräge, das jemand seinen [künstlerischen] Hervorbringungen, seinen Taten aufgrund seiner persönlichen Eigenart verleiht;
Beispiel: das Werk trägt die Handschrift des Künstlers“

Wie auf der Hand liegt, gilt für Muhr das Handschriftliche in Bezug auf sein zeichnerisches Werk in besonderem Maße. Dabei unterscheidet sich seine, für jeden Einzelnen per definitionem ohnehin individuelle Handschrift mitunter auch deshalb von anderen künstlerischen Positionen, da sie auf Veränderung angelegt ist und sich zudem in unterschiedlichen Medien ausdrückt: zwischen Malerei und Zeichnung, Leinwand und Papier. Ein Austausch innerhalb der Techniken und Bildträger sowie ein Zusammenhang, der oft zusammen hängenden Arbeiten, wird am Beispiel nachvollziehbar: Den „Schwarzen“ und „Bunten Zeichnungen“ liegen in beiden Fällen verworfene Skizzen für Malereien zu Grunde, deren Freiräume entweder mit Blei- oder mehrfarbigem Buntstift ausschraffiert sind. In den aktuellen Arbeiten bilden ebenfalls Verwerfungen den Hintergrund. Dem Künstler ungenügend erscheinende Malereien wurden neu grundiert und übermalt. Es vollzieht sich bisweilen eine Bewegung vom Monochromen hin zum Motivischen: ein assoziatives Form Malen als bezeichnen, ohne jedoch konkret zu bedeuten.

Bezeichnen verweist hier auf die konkrete Handlung, die physische Handhabung der Medien, die künstlerische Praxis des per Hand Malens. Bezeichnen meint bei Muhr in dieser Lesart nicht etwas Benennendes oder von etwas (beispielsweise einer Form) zu sagen, dass es etwas Bestimmtes sei. Die Eigenständigkeit der Form und ihre formal-ästhetische Qualität steht für den Künstler im Vordergrund. In seinen Bezeichnungen, das heißt auch Zeichensetzungen, zeigt sich ein werkübergreifendes Formenrepertoire wiederkehrender Elemente und geometrischer Figuren. Zwischen den verschiedenen Werkgruppen bestehen damit Verbindungslinien und Anknüpfungspunkte. Letztere lassen sich anhand der „Punktearbeiten“ ausbuchstabieren. Diese Arbeiten (seit 2011) offenbaren sich in vielerlei Hinsicht als fortlaufend. Die Prozesshaftigkeit ihrer Entstehung wird Punkt für Punkt sichtbar. Serielles Arbeiten erweist sich für Muhr als charakteristisches Gepräge – sowohl was die Produktion als auch die Präsentation seiner Werke betrifft. Serien und Reihen von Punkten, als Linien, sind damit nicht nur Anknüpfungs-, sondern per se Ausgangspunkte aller Formalerei. Und formal betrachtet ist es von der Form schließlich nicht weit zur Farm:

♪ I’m a form-some Cowboy … ♪